MONTAG, 28. SEPTEMBER 2026, 19.00 Uhr

Vortrag von Prof. Dr. Christian Jansen (Trier)

 

 

Der Vortrag präsentiert die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte digitale Edition der Korrespondenz des preußischen Kronprinzen, Regenten, Königs und schließlich deutschen Kaisers Wilhelm I. (1797-1888) und seiner Frau Augusta (1811-1890), die aus Sachsen-Weimar stammte.

Die hoch gebildete Prinzessin, die sich politisch an der britischen parlamentarischen Monarchie orientierte, und der seit seiner Kindheit zum Militär erzogene Wilhelm, der mit 16 an den Kriegen gegen Napoleon teilgenommen hatte, sich 1848 als „Kartätschenprinz“ einen zweifelhaften Ruf erwarb, aber seit 1849 die Zusammenarbeit mit dem Nationalismus suchte, waren ein ungleiches Paar. Außerdem entsprang ihre Ehe dynastischer Rationalität und nicht der Liebe. Wilhelm hatte zeitlebens zahllose Affären, weshalb es Augusta vorzog, möglichst in einem anderen Schloss zu leben als er. Dennoch war ihre Beziehung von hohen Respekt geprägt. Vor allem verstanden sie sich gemeinsam als Amtsehepaar. Augusta sah sich als erste Beraterin ihres Mannes, und dieser bezog sie in fast alle politischen Entscheidungen ein. 

Für die historische Forschung ist diese besondere Ehe ein Glücksfall. Denn so sind 5.800 Briefe überliefert, die die beiden einander fast täglich schrieben und die neben Familienangelegenheit und Berichten über alltägliche Begebenheiten alle politisch relevanten Ereignisse reflektierten. Erstaunlicherweise wurden diese Quellen kaum benutzt, obwohl sie eine wertvolle Gegenüberlieferung zu der weitgehend auf Bismarcks Werken und Erinnerungen basierende Geschichte der Reichsgründung darstellen. Ein Grund war die schwer lesbare Handschrift Wilhelms.

An der Universität Trier edieren wir die Korrespondenz seit zwei Jahren. Der Vortrag stellt erste Ergebnisse vor und informiert über die Möglichkeiten und Grenzen einer digitalen Edition im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz.

Der Vortrag findet im HISTORISCHEN RATSSAAL, MAXIMILIANSTRAßE 12, 67346 SPEYER statt. Der Eintritt ist frei.